Die Selecção im Halbfinale

UEFA Euro 2016: Portugal besiegt Polen erst im Elfmeterschießen
Freitag, 01 Juli 2016 | Sport

Das war ein Schock für uns wie für alle Anhänger der portugiesischen Mannschaft: der erste Angriff Polens führt in der 2. Minute zum bislang frühesten Tor der diesjährigen Europameisterschaft. Ein langer Ball von Łukasz Piszczek auf den linken Flügel wird vom Außenverteidiger Cédric unterlaufen, Kamil Grosicki flankt in den Strafraum und Robert Lewandowski verwandelt aus kurzer Distanz, sein erstes Tor in diesem Wettbewerb.

Es dauert eine Weile, bis sich die Hintermannschaft der Selecção um Pepe auf die schnellen Angreifer der Polen über den linken Flügel eingestellt hat. Den ersten Aufreger auf der anderen Seite gibt es nach 30 Minuten, als Ronaldo elfmeterreif durch einen Rempler von Michal Pazdan gefoult wurde, der Pfiff von Schiedsrichter Felix Brych blieb unverständlicherweise aus. Wenige Minuten später dann doch der Ausgleich - der Shooting Star der Portugiesen, Renato Sanchez, schießt nach Doppelpass mit Nani, der mit der Hacke verlängert, mit links unhaltbar für Torwart Łukasz Fabiański ein.

In der zweiten Halbzeit gewinnt Portugal streckenweise die Oberhand, aber keiner der beiden Mannschaften gelingt es in dem von vorsichtiger Taktik geprägten Spiel, sich entscheidend durchzusetzen. In der Verlängerung fehlt dann beiden Teams die Kraft und der Mut, die Entscheidung vor dem Elfmeterschießen zu erzwingen. Der deutsche Reporter Tom Bartels mutmaßt, die Polen gingen mit besonderer Zuversicht in den finalen Shoot-Out, nachdem sie gegen die Schweiz wenige Tage zuvor alle 5 Elfmeter verwandeln konnten.

Als erster treten die beiden Kapitäne, Ronaldo und Lewandowski an und treffen sicher vom Punkt. Zu unserer großen Überraschung tritt der junge Renato Sanchez als Zweiter  für Portugal an, der zum ersten Mal in seiner Laufbahn in der Startelf steht, und das in einem Viertelfinale der Europameisterschaft! Er verwandelt mit unglaublicher Abgeklärtheit und wird später zum „Man of the Match“ gewählt. Die Entscheidung bringt dann Rui Patricio, der den Schuss von Jakub „Kuba“ Błaszczykowski glänzend pariert. Als dann Ricardo Quaresma als Letzter die Nerven behält und den Ball unhaltbar unter die Querlatte donnert, kennt die Begeisterung bei uns wie in ganz Portugal keine Grenzen mehr.

Dass Portugal das Halbfinale erreichen würde - am 6. Juli wartet der Sieger aus dem Spiel Wales gegen Belgien - war nach der mühevollen Vorrunde nicht zu erwarten gewesen. Erinnerungen werden wach an die Europameisterschaft 2006 in Portugal, als Griechenland unter Otto Rehhagel mit einem defensiven minimalistischen Spiel überraschend den Titel gewann, übrigens im Finale gegen Portugal. Damals ging der Stern eines jungen Portugiesen an der Seite von Luiz Figo auf - Ronaldo. Vielleicht gelingt es diesmal unseren portugiesischen Freunden mit Jungstar Sanchez an der Seite eben dieses Ronaldo. Wir würden ihnen den Titel sehr gönnen.

Zum Schluss noch eine Beobachtung zu den gestrigen Kommentaren und Kommentatoren in der ARD. An das Ronaldo Bashing jener medial-mediokren „Experten“ á la Mehmet Scholl, der an der Seite von Herrn Opdenhövel seine Bewerbung für einen Trainerjob abzugeben versucht, hat man sich ja schon gewöhnt. Aber die Lobhudeleien von Tom Bartels über den deutschen Schiedsrichter Brych und sein Gespann waren nur schwer zu ertragen, zumal seine Fehlentscheidung und ein weiteres nicht geahndetes Foul im polnischen Strafraum, diesmal an Pepe, dem Spiel eine andere Wende hätten geben können.

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